Der Paradiesvogel – Schlusswort

Noch vor nicht allzulanger Zeit wäre es undenkbar gewesen, dass mich B., die Mutter des holländischen Mädchens, die von A. um viel Geld betrogen wurde, aufgespürt hätte. Im facebook-Zeitalter ist es ein Kinderspiel.

In unserer hochvernetzten, digitalen Welt wird die Luft für Betrüger wie A. dünner. Früher standen Kriminelle am Pranger. Den Pranger gibt es, zum Glück, nicht mehr, aber das Internet hat ein langes Gedächtnis. Noch in vielen Jahren wird dort nachzulesen sein, was A. getan hat, und es wird viele Situationen geben, wo er plötzlich vor verschlossenen Türen steht.

Die USA, sein Heimatland, dürfte für A. "verbrannte Erde" sein. Dort ist die "credit history", also die von Rating Agenturen zusammengetragene Historie des Zahlungsverhaltens, von essentieller Bedeutung. Ein schlechtes credit rating heisst, dass es fast aussichtslos ist, Kreditkarten zu bekommen, eine Hypothek, sogar eine Kundenkarte. Es dauert viele Jahre, um sich ein gutes credit rating aufzubauen, und noch viel mehr Jahre, ein schlechtes rating wieder geradezubiegen.

A. wird es schwer haben. Die Zukunft wird zeigen, ob es ihm wirklich gelingt, eine radikale Kehrtwende zu vollziehen und ein ehrliches, anständiges Leben zu führen. Oder aber, ob er ein unstetes Leben führen wird, ständig auf der Flucht vor seinen Gläubigern und Strafverfolgungsbehörden, im schlimmsten Fall sogar hinter Gittern landet.

Ich wünsche ihm von Herzen, dass er es schafft. Auf meine Hilfe kann er dabei allerdings nicht mehr zählen, wenigstens nicht auf finanzielle.

Zum Schluss: habe ich aus all dem gelernt? Oder werde ich wieder auf Schnorrer hereinfallen? Ich weiss es nicht. Auf jeden Fall nehme ich mir vor, wachsam zu sein und das nächste Mal zweimal zu überlegen, bevor ich mein Herz und, vor allem, mein Portemonnaie öffne!