Der Paradiesvogel – Seite 3

Ungläubig starre ich auf die Zahlen. A. hatte mir nach der Rückkehr aus Europa die ec-Karte ausgehändigt und nur gesagt, er habe sie gelegentlich eingesetzt, die entstandenen Kosten werde er natürlich zurückerstatten.

Sofort nach seiner Rückkehr aus der Schule konfrontiere ich A. mit der Beweislage. Was hat er sich eigentlich dabei gedacht? ist die erste Frage, die ich ihm stelle. Vor mir sitzt ein Häufchen Elend. Es sei ihm selbst nicht bewusst gewesen, dass er soviel ausgegeben habe. Es tue ihm leid. Er werde alles bis auf den letzten Euro zurückzahlen. Ich bin wütend und enttäuscht, lasse mich am Ende aber erweichen. A. kann noch bis im Sommer bei uns bleiben, danach plant er, in den Niederlanden ein Studium anzutreten, nahe bei seinem Freund. Er verspricht mir dafür hoch und heilig, seine Schulden so bald wie möglich zurückzuzahlen.

Ein halbes Jahr später.

Ich bin zurück in der Schweiz. Mit A. habe ich losen Kontakt, vorwiegend über facebook. Ebenfalls über facebook kontaktiert mich eines Tages sein Freund (mittlerweile Ex) und fragt mich, ob er meine E-Mail Adresse an jemand weitergeben dürfe, der mich wegen A. sprechen wolle.

"Sicher hat er wieder mal jemand angepumpt!" denke ich und öffne das mail, das am folgenden Tag kommt. Was ich da zu lesen bekommt, übertrifft meine schlimmsten Erwartungen.

Absender des mails ist eine Holländerin, nachfolgend B. genannt, Mutter einer Teenagertochter. Sie schreibt, ihre Tochter habe A. an der Hochschule kennengelernt und sich mit ihm angefreundet. Bald sei er in der Familie ein- und ausgegangen. Er habe erzählt, aus reichem Elternhaus zu stammen, u.a. habe er in New York ein Penthouse an der Park Avenue. Dorthin lädt er das Mädchen, nennen wir sie J., für 2 Wochen ein. Die Flüge für beide bucht er selbst, J.'s Kostenanteil lässt er sich von deren Eltern erstatten.

Am Abflugtag fährt B. die beiden zum Flughafen. Beim Einchecken der Schock... J. und A. stehen nicht auf der Passagierliste! Was ist passiert?


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