Schwiegersohn in spe Nr. 1 – Seite 4

Bald danach erfahre ich, dass D. eine Stelle in Aussicht hat! Eine gute Nachricht, allerdings ist die Freude nicht ungetrübt, denn es tut sich ein neues Problem auf. Es ist eine Reisetätigkeit, und es wird erwartet, dass der Stelleninhaber einen eigenen PKW hat. Woher nehmen?

Mein eigenes Fahrzeug ist für die Dauer des Auslandsaufenthaltes eingelagert... ich könnte D. die Fahrzeugpapiere schicken und ihm das Auto zur Verfügung stellen, solange, bis ich zurück nach Europa komme. Freunde, denen ich von der Idee erzähle, reagieren entsetzt und warnen mich eindringlich davor, es zu tun. Denn das Fahrzeug wird nur herausgegeben werden, wenn die Original-Papiere vorgelegt werden. Gebe ich diese aus der Hand, wird es sehr schwierig, im Streitfall zu beweisen, dass ich die Eigentümerin bin.

D. bittet und bettelt... ohne das Auto wird er die Stelle nicht bekommen, er wird eventuell für längere Zeit arbeitslos sein, irgendwann gezwungen sein, Hilfsjobs anzunehmen. Ich zögere. Ich will D. nicht seine berufliche Zukunft verbauen, aber eine innere Stimme warnt mich.

Die Fahrzeugpapiere liegen schon seit einigen Tagen auf dem Tisch, der Umschlag ist adressiert und frankiert, aber ich kann mich nicht entscheiden ihn abzuschicken. Bis mir die Entscheidung auf unerwartete Weise abgenommen wird. Was ist passiert?

"Ich habe Schluss gemacht mit D.!" teilt mir meine Tochter mit. Obwohl es Anzeichen gegeben hatte, dass die einstmals "grosse Liebe" abgekühlt war, bin ich doch überrascht. Es gibt bereits einen Neuen, M., einen blonden, hünenhaften Texaner, der schon längere Zeit für S. schwärmt und ihr auf einer gemeinsamen Busfahrt seine Liebe gestanden hat. Meine Tochter ordnet ihr Leben radikal neu. Das rote Herzkissen mit der Aufschrift "ich liebe Dich" wird entsorgt, die Liebesmails werden gelöscht, das Facebook-Profil wird überarbeitet, D., kurze Zeit zuvor noch "die grosse Liebe", zur peinlichen Jugendsünde deklariert.

D. erfährt telefonisch vom Ende der Beziehung. Er ist verzweifelt, versucht alles, S. doch noch umzustimmen, droht sogar mit Selbstmord. Er tut mir sehr leid, aber insgeheim bin ich erleichtert.


Wie weiter?