Schwiegersohn in spe Nr. 1 – Seite 2

Zuhause angekommen, wird mit dem Gast der Tagesablauf besprochen. D. wird tagsüber alleine sein, meine Tochter (nachfolgend S. genannt), kommt erst nachmittags von der Schule. D. wird mit dem Hund rausgehen und ausserdem die Einkäufe erledigen. Ich gebe ihm gleich das Geld für den nächsten Tag. Ich erkläre ihm, dass ich normalerweise im Supermarkt immer mit Kreditkarte zahle, und dass in den USA ohne Karte fast nichts läuft. "Hast Du denn auch eine Kreditkarte dabei?" frage ich ihn. Nein, meint D. "Aha, dann hast Du also Bargeld getauscht? Oder hast Du Reiseschecks?" "äh.... hm..... also..... ehrlich gesagt, nein!".

Es stellt sich heraus, dass D. genau 2 EUR und ein paar Cent dabei hat. Eigentlich waren es 20 EUR, aber er hatte eine Werkzeugtasche dabei, die er nicht durch die Sicherheitskontrolle brachte und aufgeben musste. Dollar hat er keine, Geld könnte er theoretisch mit seiner EC-Karte abheben, aber leider ist nichts auf dem Konto. D. erklärt, er habe geplant, sich hier gleich einen Job zu suchen und eventuell dann hierzubleiben und den Rückflug verfallen zu lassen. Etwas perplex, frage ich ihn, ob er noch nie davon gehört hatte, dass er als Tourist nicht einfach arbeiten kann, sondern ein Arbeitsvisum braucht? Sowas gehört hätte er schon, meint er, aber er dachte, das liesse sich vor Ort klären. Die Aussicht, D. vier Wochen lang durchzufüttern, behagt mir gar nicht, aber was ist die Alternative? Ich kann ihn schlecht ins Flugzeug setzen und nach Hause schicken. Also, Augen zu und durch, denke ich mir.

Schon am nächsten Tag das erste Problem! Das einzige Paar Schuhe, das D. dabeihat, geht kaputt, an der Sohle ist ein Loch, und D. kommt mit nassen Füssen vom Gassigehen zurück. Wohl oder übel muss ich ihm Schuhe kaufen.

Weiter geht es: es herrschen eisige Temperaturen, und er friert erbärmlich in seiner dünnen Jacke, etwas wärmeres hat er nicht dabei. Was tun? Ab ins nächste Einkaufszentrum! So geht die Zeit vorbei. Dass ich sämtliche Kosten bestreite, auch für Kinotickets, Eintrittsgelder, Busfahrten etc. aufkomme, wird bald zur Gewohnheit. Dass er eines Tages vor mir steht und mich um 100 Dollar bittet, um meiner Tochter zum halbjährigen Kennenlerntag Blumen zu schenken und sie ins Restaurant auszuführen, nehme ich etwas irritiert zur Kenntnis, zahle am Ende dann aber doch, wie immer...


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