Schwiegersohn in spe Nr. 1

Sommer 2006. Ich trete einen 2-jährigen Auslandsaufenthalt in New York an, mitsamt Hund und Teenagertochter. Die Vorbereitung läuft auf Hochtouren, als ein unvorhergesehenes Ereignis die Planungen durchkreuzt – Töchterchen hat sich zum ersten Mal richtig verliebt. Ihr Angebeteter ist 15 Jahre älter und steht kurz vor Abschluss seines Studiums. Er hat eine tragische Geschichte hinter sich: als Schüler wurde er Opfer einer Straftat, lag danach lange im Koma, nach langwieriger Reha ist er soweit wieder genesen, hat aber bleibende Behinderungen davongetragen und muss zeitweise im Rollstuhl sitzen.

"Muss es ausgerechnet ein Behinderter sein, der auch noch doppelt so alt ist wie sie?" denke ich und schäme mich gleichzeitig für meine Gedankengänge. Erst einmal muss ich aber meine widerstrebende Tochter überzeugen, mit mir in die USA zu gehen. Das schaffe ich nur, indem ich ihr verspreche, dass sie ihre "grosse Liebe" mindestens alle drei Monate besuchen darf. Nach 3 Monaten ist es soweit, die beiden Liebenden werden sich endlich wiedersehen. Da Töchterchens Freund (nachfolgend D. genannt) sein Studium gerade erst abgeschlossen hat und mittellos ist, bezahle ich ihm den Flug. Ist ja egal, wer von den beiden über den Atlantik fliegt, denke ich.

Vier Wochen wird er bei uns bleiben, so ist es vereinbart. Schliesslich ist der grosse Tag da, wir fahren an den Flughafen, um ihn in Empfang zu nehmen. Warten dann vor dem Ausgang. Der Flug ist längst abgefertigt, aber kein D. kommt heraus... eine Stunde vergeht, zwei Stunden... Er hat kein Handy, so dass uns nichts anderes übrig bleibt als zu warten. Nach über 2 Stunden fallen sich die Liebenden endlich in die Arme. Was ist passiert? Da der junge Mann nicht imstande war, den Grenzbeamten seine Ankunftsadresse zu nennen, und diese bekanntlich nicht zimperlich sind, wenn es um verdächtig wirkende Subjekte geht, wurde er erstmal ins Kreuzverhör genommen. Zwischendurch erlitt er vor Aufregung einen Nervenzusammenbruch. Der letzte Satz der Beamtin lautete "Please, don't ever come back to this country!".

"Na, das fängt ja gut an!" denke ich mir. Schlimmer kanns ja nicht kommen. Doch, wie sich bald herausstellen sollte, es war erst der Anfang...


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